Urlaubserinnerungen

Leichtsinnigerweise versprach ich seinerzeit meinem Freund Peter, ihm aus meinem Urlaub jeden Tag per Email einen humorigen Bericht über das Salzkammergut zu senden. Was dabei herauskam, ist eigentlich zu schade für den Papierkorb.


Datum:   So, 6.07.2008, 20:49
Das Salzkammergut und seine unentdeckten Flüsse

1. Der Fluß Daten

Hallo Peter,

der Daten-Fluß entspringt in der Nähe von Nußdorf am Attersee und ist zunächst ein schmales Rinnsal von nur geringer Bit-Tiefe.

Später dann, durch Einmündung mehrerer Internet-Zuflüsse vergrößert er sich zu einem richtigen Daten-Strom von mehreren Gibabit Breite, bevor er in der Gegend von Essen (Piefkanien) auf mysteriöse Weise versiegt.

Ich hoffe, dass meine Flash-’n-Post trotzdem bei dir ankommt.

Ganz, ganz liebe Grüße

von Det, Heike und Flavia


Datum:   Mo, 7.07.2008, 09:18
Betreff:   Re: Das Salzkammergut und seine unentdeckten Flüsse

Hallo Detlev,

der Anfang sieht ja schon sehr vielversprechend aus. Allerdings möchte ich nicht, dass du dich im Nachhinein beschwerst, du hättest dich nicht erholen können, weil du 12 Stunden am Tag Prosa mit Pulitzerpreisqualtität produzieren musstest. Also gönne dir bitte wenigsten 10 Minuten Ruhe am Tag.

Viele Grüße aus der Arbeitswelt

Peter


Datum:   Mo, 7.07.2008, 14:00
Betreff:   Das Salzkammergut und seine „Feuchtgebiete“

2. Der Fluß Regen

Hallo Peter,

das Quälgebiet des Regen liegt im Altocumulus und ist nur unzureichend mit Rückstaubecken und Himmelsschleusen gesichert; welche momentan stark überflutet sind.

Trotzdem ist er – nachgewiesen durch eigene Exploration – bis St. Georgen lediglich watbar und ausschließlich für die Papierschifferlfahrt geeignet.

Diese muss häufig Totalverluste inkl. Mannschaften hinnehmen, was bereits Hans Christian Andersens im Reisebericht seines zinnernen Protagonisten dokumentiert hat.

Liebe Grüße

Det, Heike und Jaja


Datum:   Mo, 7.07.2008, 22:41
Betreff:   Re: Das Salzkammergut und seine „Feuchtgebiete“

Hallo Detlev,

ich kann es kaum erwarten, das ein neuer Tag anbricht!

Viele Grüße

Peter


Datum:   Di, 8.07.2008, 12:02
Betreff:   Das Salzkammergut und seine mirakulösen Fließgewässer

3. Die Sicker

Lieber Peter,

die Quelle der Sicker findet man bei Futschl (Kreis Woisndes).

Die Sicker verschwindet nach einem nur wenige Meter kurzen Lauf geheimnisvoll im Nirwana (selber Kreis). Alle bisherigen Ursachenforschungen hierzu verliefen mit der Sicker im Sande.

Eine nun nach mehreren Jahren unverzüglich eingesetzte Expertenkommission aus Brüssel kam nach einer 6:5-Kampfabstimmung einhellig zu der unumstößlichen Vermutung, dass es sich um einen Kapillareffekt handele, wie man ihn von Subventionsgeldern her kenne. Natürlich seien aber auch andere Gründe denkbar.

Ich sehe die Ursache eher in einer zu hohen Quellensteuer.

Mit feuchten Grüßen

Dein Detlev
Meine Heike
Unsere Flavia


Datum:   Di, 8.07.2008, 14:48
Betreff:   Re: Das Salzkammergut und seine mirakulösen Fließgewässer

Hallo Detlev,

Frage: Ist neben der Quelle der Sicker auch die Stadt Grube zu finden?

Gruß

Peter


Datum:   Mi, 9.07.2008, 18:39
Betreff:   Das Salzkammergut und seine Agilzonen

4. Die Träge

Hallo Peter,

die Träge ist eher ein Rinnsal und beinahe zu schwach, um zu entspringen. Daher verbleibt sie auch ganzjährig in ihrem Bett.

Sie ist die Schutzpatronin der Liegenbleiber. Nicht einmal der berühmte mehrtägige Salzburger Schnürlregen läßt ihr den Wellenkamm schwellen.

Ein altes salzkammergütiges Sprichwort sagt: „Verläßt die Träge mal ihr Bett, wird der Urlaub nicht sehr nett.“

Mit müden Grüßen

Detl, Hei, Fl

Nachtrag:
Wie ich eben erfahre, habe ich das Sprichwort falsch zitiert. Mea maxima culpa! Wörtlich heißt es richtig: „Bleibt die Träge in ihrem Bett, wird der Urlaub auch recht nett!“ – oder so ähnlich.

Jetzt aber!

Det


Datum:   Mi, 9.07.2008, 20:24
Betreff:   Re: Das Salzkammergut und seine Agilzonen

Hallo Detlev,

ich hoffe, die Träge tritt nicht über die Ufer, den dann trüge die Träge tragischerweise ja zum Überlaufen diverser Tröge bei. Oder ist das jetzt ein Trugschluss?

Nu aber!

Peter


Datum:   Do, 10.07.2008, 13:39
Betreff:   Das Salzkammergut und seine Eaux d’Promille

5. Der Rauschbach

Hallo Peter,

der Rauschbach entsteht im französisch sprechenden Teil (diese Enklave ist vielen unbekannt) des Salzkammerguts im Becken von „Destille d’Attergeaux“ durch den Zusammenfluß der „Marie Cron“, des „Bonheur d’Clochard“ (zu deutsch „Pennerglück“) und des „Fueselle Blanc“.

Nach dem Vollaufen des Beckens ist sein weiterer Lauf zunächst unbeirrbar vorwärtstorkelnd. Allerdings verhaspelt der Rauschbach sich bald in unkontrollierbaren Ausflüssen, bevor er sich letztmalig im Gebiet von „Rinn de Pissé“ hinter Büschen und Bäumen ergießt.

Randvollst

dein Det


Datum:   Do, 10.07.2008, 18:15
Betreff:   Re: Das Salzkammergut und seine Eaux d’Promille

Hallo Detlev,

du schreibst randvollst. hoffentlich nicht mit dem Ergossenem von Rinn de Pissé?

Besorgtst

Peter


Datum:   Fr, 11.07.2008, 21:50
Betreff:   Das Salzkammergut und seine Trockenflüsse

6. Die Schlecker

Lieber Peter,

die „Schlecker“ machte vor langer Zeit von sich reden, als sie mit preisgünstigen Reinigungs-, Wasch-, Dusch- und Körperpflegemitteln überfrachtet war.

Die saisonale, hektoliterweise Einbringung von Sonnenölen hatte sie noch gut überstanden. Es konnte dadurch gar ein angenehmer Nebeneffekt touristisch beworben werden: Einheimische wie Sommerfrischler konnten damals ohne die Gefahr eines Hinterteilbesonnungsinfarkts stundenlang an ihren Ufern kopulieren.

Verursacht wurde die unerwartete Trockenlegung der Schlecker letztlich durch unkontrollierte Verbrauchertests mit abertausenden „Cornelia“ Damenbinden und „Pömpdas“-Windeln. Gewarnt durch diese Umweltsünde wird zu solchen Erprobungszwecken nurmehr blaue Testflüssigkeit verwendet.

Mit trockenen Grüßen

der Det

* Aus Gründen der Wettbewerbs-Fairness seien hier noch „Dick&Durstig“, „Nur Die“ und „Für da“ genannt.


Datum:   Sa, 12.07.2008, 19:45
Betreff:   Das Salzkammergut und seine Lukullen

7. Die Schlemmer

Lieber Peter,

die Schlemmer ist ein opulenter Fluß und äußerst nährstoffreich. Kalorien gedeihen in ihr wie sonst nirgends.

Sie wird gespeist von einer Unzahl Destillationsgeräte sowie von Koch- und Suppentöpfen. Außerdem hat sie in der Nähe von St. Georgen ergiebige Zuflüsse wie den „ALDI“ und die „BILLA“.

Ungeübte sollten Bädern in der Schlemmer ausgiebige Ruhepausen folgen lassen. Das mach ich jetzt auch! –

Mit bacchialen Grüßen

Dein Det


Datum:   So, 13.07.2008, 19:47
Betreff:   Re: Das Salzkammergut und seine Lukullen

Lieber Detlev,

heißt das nicht der Schlemmer? Leider komme ich bis Mittwoch nicht mehr in den Genuss deiner Reisebeschreibungen, aber danach werde ich wieder stundenlang lesen.

Bis dann

Peter


Datum:   So, 13.07.2008, 17:20
Betreff:   Das Salzkammergut und seine saukalten Flüsse

8. Die Bibber

Servas Peterl,

de Bibba is a obaöstraichischa Fluas, den wos goa ned gabat (dt.: geben tun täte), wanns net so saukoid warad. Is etzert aba! Stuckara sechzeha Grod hods. Do fliaßt dir de Bibba eiskoid ’s Gnack obi, das di grod asu beidelt.

Egal – da leitest a Branntwasserl zua (oans, wos stuckara 45 Umdrehunga hod) und nachad passd die Durchschnittsdemparadur a wida.

Pfiat di, mach’s guat

der Loisl-Det


Datum:   Mo, 14.07.2008, 19:57
Betreff: Das Salzkammergut und seine Coffeinaten

9. Die Melange

Hallo Peter,

die Melange entspringt auf Knopfdruck zischend in Bad Ischl beim Zauner. Flankiert von Tortenbäumen und Cremeschnittchen-Wiesen findet sie ihren Weg elegant schlängelnd zwischen Biedermeier und Schlagobers zu malerischen Kaffehaustisch-Lichtungen.

Und da bereite ich der Anmut ihr jähes Ende …

Mit poetischen Grüßen

Detlev von Sinnen


Datum:   Di, 15.07.2008, 19:42
Betreff:   Das Salzkammergut und seine Duftwässer

10. Die Odel

Lieber Peter,

die Odel ist ein duftstarkes Gewässer und wird eigens für uns Touristen von wäscheklammerbewehrten Ösis täglich frisch die Almwiesen hinuntergegossen. Dabei jauch-zen die sogenannten Odler ihren althergebrachten Odler-Jodler:

„Wann d’Kua kodelt
wann’s duat biesln
bis das d’Jauchn brodelt
dann werd‘ Wies’n –
g’odelt!“

Mit aromatischen Grüßen

Dein Dodel


Datum:   Mi, 16.07.2008, 19:00
Betreff:   Das Salzkammergut und seine kanonischen Ergüsse

11. Die Sal und der Bader

Gegrüßest seiest du, Peter, Bruder Gottauts, voll der Ungeduld!

Also ist nun hie gegeben und niedergekommen der 11. Teil meiner frohen Botschaften der himmlischen Wege des Wassers des Gutes der Kammer des Salzes.

Die Sal und der Bader sind seichte Speichelgewässer ohne jeglichen Tiefgang. Sie fließen im sogenannten „Mund-Winkel“ der Frömmler-Au zusammen und bilden ab da die „Salbader“. In ihrem Oberflächenwasser kann man in gesalbter Unschuld Hände waschen, aber auch sonstiges Gewäsch wird blütenrein.

Gegeben und wieder genommen im Jahre des Herrn Viertelvorsiebengleichgibtsabendbrot zu Nußdorf am Attersee.

Mit frommen Wünschen

Dein Bruder im Geiste

PS. Den liturgischen Sprechgesang denkst du dir bitte 😉


Datum:   Do, 17.07.2008, 21:00
Betreff:   Das Salzkammergut und Stiegen-Rafting

12. Das Salzkammergut und Rafting auf der Stiegen

Hallo Peter,

momentan ist Trocken-Rafting auf der Stiegen angesagt. Die Stiegen ist ein Trockenkatarakt mit Schwierigkeitsgrad elfeindribbzigstel am Seepoint 5 in Nußdorf.

Heike hat sich in dieser Sportart geübt und ist ganz begeistert davon. Um es besonders interessant zu machen, hat sie das sogenannte „Umkehr-Rafting“ probiert, also das Bezwingen der Stiegenklippen von unten nach oben. Bis auf ein Ganzkörper-Hämatom ist es eigentlich ganz gut gelaufen.

Apropos Laufen – wenn Heike das in ein paar Wochen wieder kann, probiert sie als nächstes Brustwarzen-Sliding auf dem A1-Ring. Momentan geht es ihr den Umschlägen entsprechend.

Verbindlichst

dein Detlev


Datum:   Fr, 18.07.2008, 20:37
Betreff:   Das Salzkammergut und der Peze

13. Der Pezee

Moin Peter,

heute ist Freitag und der Pezee ist das 13. Fließgewässer, von dem ich dir berichten will. Beginnen wir also unsere Pezee-Datenfloßfahrt auf der „MS VISTA“ (Rev. 1822):

Die „MS VISTA“ ist ein ambitioniertes, aber anspruchsloses, obwohl teures BOOT, ausgestattet mit allen Schikanen. Man STARTet mit einem simplen „STRG-ALT-DEL“, was für einarmige Kapitäne nicht immer einfach ist.

Nach der kurzen Meldung: „Bitte aktivieren Sie Ihre Daseinsberechtigung“ geht es zügig auf dem Pezee voran. Wir umschiffen spannende Klippen wie „Whitecross-On-Red-Background“ und verweilen an unerwarteten ICON-Haltestellen, wo uns rotierende Eieruhren und andere Attraktionen die Zeit stehl vertreiben. Auch die Kommunkation mit der Restwelt kommt nicht zu kurz; an sie erinnern uns mahnende Meldungen wie: „Ausnahmefehler – RUF MICH AN: 0190-333 333!“.

Leider sind Havarien auf dem Pezee recht häufig; seltsamerweise heißen sie „Abstürze“, und nicht etwa „Untergänge“. Trotzdem befahren den Pezee ausschließlich die instabilen MS-BOOTe, nicht etwa die sichereren „ÄPPEL“-Dampfer. Aus den Windows können wir sie ab und an (neidvoll) auf dem benachbarten River MacIntosh betrachten. Leider ist der seichte Pezee wegen des größeren Tiefgangs der Äppels für diese nicht schiffbar.

Stoppen können wir die Fahrt auf dem Pezee mit dem sog. „Gates-Parkinson“, einem Doppelklick auf START – völlig logisch!

Mit einem kräftigen „Hummel Hummel – Mors Mors“

Dein

Gorch F*ck

PS. Soeben wurde die unsinkbare MS-TITANIC, Rev. 1912 angekündigt!