Zweimal ist Ellas Recht

Ich wollte es eigentlich gar nicht an die große Glocke hängen (schließlich bin ich nicht Notre Dames Klöckner), aber jetzt schlägt’s dreizehn: Mein Hund streikt! Es hilft kein Bitten und kein Betteln, Ella ist nicht vom Sofa zu bewegen. Von wegen zweimal Gassi gehen. Was unsere Agrar-Barbie sich so denkt! 12 Kilo lethargischer Jagdinstinkt belagern die Couch und weder gute Worte noch böse Blicke bewegen die Bracke dazu, die behördlich angeordnete zweite Gassirunde zu drehen. Ich drohe, ich flehe, ich locke mit Leckerli – keine Chance! Ella grunzt hörbar indigniert und gräbt den Kopf nur noch tiefer in die Kissen. Ziviler Ungehorsam!

Ich gebe auf. Mist, Ella war heute erst einmal draußen! Und vor der Türe lauern sicher schon die ersten Tierschutz-Blockwarte mit gezückten Strichlisten. Die Überwachung anderer Menschen ist nicht erst seit Corona der neue Zeitvertreib mancher Zeitgenoss*innen. Habe keine Lust, mich von denen denunzieren zu lassen.

Also schnell rüber zum Spielwarenladen und ein ellagroßes Plüschdouble besorgt. Mit dem ziehe ich ab sofort wortwörtlich „um die Häuser“, falls Ella mal wieder Gassi schläft. Vorsorglich werfe ich ihre vollen Kotbeutel nicht mehr weg, sondern hole sie bei Bedarf, also wenn ich mit der Hundeattrappe unterwegs bin, unauffällig aus der Tasche. Anschließend mache ich mich, das Säckchen schwenkend, mit „Ella zwo“ auf den Heimweg. Ist zwar im wahrsten Sinne des Wortes Beschiss und aufwändig obendrein, aber für unsere oberste Tierschützerin ist mir keine Mühe zuviel.

Mein nächstes Haustier wird ein Schwein. Das kann man sein Leben lang im Käfig halten – wen interessiert’s. Vermutlich keine Sau, oder?